Als Ausgangspunkt empfiehlt sich die älteste Stadt Deutschlands: Kempten. Im Tal der Iller gelegen, ist Kempten nicht nur Hauptstadt des Allgäus, sondern gleichzeitig auch eine der reizvollsten Städte der Region. Von der Umgehungsstraße aus folgt man zunächst dem Schild historisches Zentrum und rollt anschließend auf Kopfsteinpflaster bis direkt zum Marktbrunnen. Die gesamte Altstadt Kemptens ist verkehrsberuhigte Zone und darf im Schritttempo jederzeit befahren werden.

Es geht weiter in Richtung Buchenberg. Hierzu verlassen wir Kempten in westlicher Richtung und landen automatisch auf einer perfekt ausgebauten Landstraße, die in sauberen, runden Kurven schnell an Höhe gewinnt. Schräglagenspaß am Morgen - das passt. Hinter Buchenberg folgt die Strecke dem Flüsschen Argen und lässt uns Zeit, die Gegend zu betrachten. In Nellenbruck beginnt ein interessanter Schlenker nach Süden, der auf engen und kurvigem Asphalt über die Orte Silbratshofen, Elbratshofen, Grünenbach und Maierhöfen zum nächsten Zwischenstopp führt.

Und der heißt Isny. Das Städtchen mit seinem mittelalterlichen Kern bietet einen einzigartigen Anblick: Eine Insel aus roten Ziegeldächern inmitten eines Ozeans aus grünen Almwiesen. Dazwischen die fürs Allgäu typischen Zwiebelkirchtürme, am Horizont die Alpen.

Die Bundesstraße 12, die nun weiter in Richtung Wangen führt, ist nur dem Namen nach eine schnöde Schnellstraße. In Wirklichkeit entpuppt sie sich als kurvenreiche Strecke mitten durch ein idyllisches Bauernland. Es riecht nach Gras, Heu und Holz. Kurz vor Wangen geht es rechts ab über Staudach und Schwarzberg direkt an die Staumauer der Reichsstadt.

Wangen hat nicht umsonst den Ruf, eine überaus freundliche Stadt zu sein. Wer zu Fuß oder mit dem Motorrad durch die Gassen der Altstadt bummelt, lässt sich schnell von der entspannten Atmosphäre einfangen. Man folgt am besten dem Schild Zentrum und erreicht so die Fußgängerzone. Es gibt ein Sprichwort: An Wangen bleibst Du hangen. Stimmt.

Durch das Stadttor verlassen wir Wangen und nehmen Kurs auf Tettnang. In sanften Kehren umzirkelt der griffige Asphalt die Allgäuer Hügel. Entspannung für Gas, Geist und Seele. Niederwangen, Primisweilen und Neukirchen heißen die Stationen.

Allmählich geht nun das bayrische ins schwäbische Allgäu über. Aus Hügelland wird Ackerland, aus Almenwiesen werden Obstplantagen, der nicht in irgendeiner Weise landschaftlich genutzt wird. Tja, die Schwaben eben. Doch die können nicht nur schaffen, sondern auch trinken. Und zwar Bier. Der Beweis: Die unzähligen Hopfenfelder rund um die Stadt Tettnang. Kilometerlang fährt man an diesen hohen grünen Mauern entlang. Tettnang selbst ist mit seinem Schloß und seinen historischen Kern immer einen Zwischenstopp wert.

Auf einer Landstraße der Marke schmal, einsam und idyllisch fahren wir in Richtung Langenargen weiter. Wichtig: Nicht die Hauptroute nach Langenargen nehmen. Kurz vor Langenargen kommt der Bodensee in Sicht. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten zur Weiterfahrt: Eilige nehmen die B 31 als Direktverbindung nach Lindau. Wer Zeit hat und etwas vom Bodensee sehen will, sollte hingegen die Uferstraße über Nonnenhorn und Wasserburg benutzen.

Lindau ist der ultimative Tipp für die Mittagspause auf dieser Tour. Denn so hübsch am Wasser wie auf Lindaus Uferpromenade sitzt man wohl nirgendwo. Als Besucher auf zwei Rädern fährt man über den Damm hinüber zur Insel, lässt sich von diversen Parkplatzschildern nicht beirren und folgt in einem weiten Bogen der Hauptstraße bis an deren Ende. Die Maschine parkt entweder auf einem regulären Parkplatz oder vorn an der Verkehrsinsel. Unser Tipp: Reutemann mit seiner herrlichen Terrasse. Der Blick geht direkt auf die Hafeneinfahrt, an der vor allem im Sommer ein Betrieb wie am Mittelmeer herrscht.

Hinter der Grenze liegt der österreichische Ort Lochau. Dort biegen wir links ab in Richtung Eichenberg und landen auf einer traumhaften Bergstrecke. Die führt in einem halben Dutzend Serpentinen hinauf zu dem Ort Eichenberg. Ein kurze Stopp hier oben ist Pflicht - wegen der einmaligen Aussicht auf den Bodensee. Eine Etappe durch den Wald und Wiesen folgt. Kurve an Kurve, rauf und runter. Als ob die Straße sich durch die Hügel fräsen würde. Kurz hinter Scheidegg klinkt sie sich auf deutschen Boden wieder in die Hauptverbindung Lindau - Sonthofen ein.

Das nächste Stück bis Oberstaufen entpuppt sich als Panorama-Etappe der feinsten Sorte. Auf der rechten Seite liegt das gewaltige Panorama der Allgäuer und Österreichischen Alpen, links das Meer der grünen Almwiesen. Eine echte Postkarte. Ein toller Pausen-Tipp ist der Rastplatz Paradies kurz vor Oberstaufen, von wo man einen sehr schönen Rundblick hat.

Der 7000 Seelen Ort Oberstaufen wurde durch eine ganz spezielle Heilmethode weltberühmt: die Schrothkur. Erfunden hat die Schrothkur der schlesische Arzt Johann Schroth im Jahre 1820. Hinter Oberstaufen erklimmt die Bundesstraße einige Höhenmeter und führt dann mitten durch ein Hochtal. Wie ein dunkelblauer Tintenfleck taucht dann plötzlich der Alpensee auf. Schilf wogt bedächtig an seinem Ufer, das klare Wasser lädt zum Baden ein.

Mit Immenstadt wartet kurz nach dem Alpensee eine der ältesten Tuchmacher-Städte Deutschlands. In der Stadtmitte folgt man der Ausschilderung Blaichach, biegt jedoch kurz vor diesem Ort in Richtung Rettenberg ab. An der nächsten Kreuzung links ab nach Sulzberg, und schon sind wir wieder mitten drin in der Allgäuer Almenlandschaft. Kurven im Überfluss, Hügel, Senken - das macht Laune. Die Kehren sind gut einsehbar, vollführen keine unerwarteten Richtungsänderungen und erlauben zusammen mit dem geringen Verkehrsaufkommen einen flotten Strich.

Vorbei am Sulzberger See erreichen wir schließlich wieder Kempten, den Ausgangspunkt dieser Tour.

  • Länge: ca. 200 Kilometer.
  • Charakter: Die Tour ist eine echte Sightseeing-Tour und jedem Einsteiger bedenkenlos zu empfehlen. Die abwechselungsreiche Straßenführung sorgt dafür, das auch Kurvenfans voll auf ihre Kosten kommen.
  • Dauer: Tagestour.
  • Top-Ausblick: Von Eichenberg aus auf den Bodensee.
  • Pausen-Tipp: Cafe Reutemann an der Uferpromenade von Lindau.

Quelle: rukka