Zunächst geht es von Füssen aus nach Reutte. Direkt hinter dem Grenzübergang muss man aufpassen, um den Abzweig nach Pinswang zu erwischen. Auf dieser schönen Nebenstrecke lässt sich die langweilige Hautroute Pfronten - Reutte umgehen. In Reutte folgen wir dem Wegweiser in Richtung Arlberg und Warth und haben schon kurz darauf die ersten Kilometer der Lechtalstraße unter den Rädern.

Bestens gepflegt und gut ausgebaut folgt die Fahrbahn dem Lauf des Lechs. Die Bögen sind rund, die Radien fallen weit aus. Keine tückischen Kurven schmälern den Landschaftsgenuss. Neben der Straße plätschert der türkisfarbene Fluss, während links und rechts die Gipfel der Lechtaler und Allgäuer Alpen am Himmel kratzen. Natürlich machen auch die österreichischen Bergspitzen auf der linken Seite ganz schön was her. Jedenfalls ergibt das alles zusammen eine Augenweide für jeden Liebhaber schöner Alpenpanoramen.

Die Breite der Fahrbahn wechselt ständig. Mal breit, mal schmal. Ebenso das Lechtal. Mal eng, mal weniger eng, oder auf einen Schlag riesig breit. Hübsche Dörfer mit buntbemalten Häusern reihen sich hier aneinander. Der Ort Holzgau grüßt den Besucher sogar mit einer sehenswerten Bank-Schild-Kombination, auf der man nicht nur tolle Fotos, sondern auch eine Pause machen kann.

Je weiter südlich wir kommen, desto näher rücken die Berge zusammen. Man spürt förmlich, wie sich ein Pass nähert. Hinter Steeg zielt ein Traum von einer Kurvenstrecke direkt auf den Sattel des Hochtannbergpasses. Die Fahrbahn ist griffig, alle Kurven sind gut einsehbar. Kurz hinter Warth geht es noch durch eine Handvoll enger Kehren, dann heißt es in der Ortsmitte nach rechts in Richtung Bregenz abbiegen. Gleich um die Ecke steht mit dem Gasthof Walther Hof unsere Mittagspause an.

Die unbeschwerte Kurverei auf gepflegtem Asphalt setzt sich auch nach Passieren des Hochtannbergpasses (1679 m) fort. In vielen Kehren schraubt sich die Straße hinab ins Tal der Bregenzer Ache. Dort folgt sie in nun weiter werdenden Bögen dem Lauf des Flusses.

Kurz vor Schwarzenberg weist ein Schild nach rechts in Richtung Deutschland. Über Hittisau und seinen insgesamt 116 Bergbauernhöfen nähern wir uns der Grenze. Enge Straßen sind angesagt. Begleitet von Weidezäunen durchstreifen sie diese Hügellandschaft in einem traumhaften Gewirr aus Höhen, Senken und Links-Rechts-Kombinationen. Wenig Verkehr, viel Übersicht - was will man mehr? Vielleicht etwas Aussicht. Auch die gibt es an Mass. Wenn die Welt noch irgendwo in Ordnung ist, dann hier.

Hinter Balderschwang beginnt die Riedberg-Passstraße. Die Riedberg-Straße ist eine überaus kurvige und verzwickte Angelegenheit. Sie windet sich hoch bis auf 1420 Meter Höhe. Sehr schmal, sehr steil und insgesamt in eher rauem Zustand. Geraden sind Mangelware, dafür warten Bodenwellen ohne Ende. Diese Passstraße ist eine super Sache. Da es vom Sattel aus nicht viel zu sehen gibt, nimmt man sich am besten gleich den Abstieg vor. Und der ist von der gleichen Qualität wie die Auffahrt. Vielleicht sogar noch interessanter. Weil der Belag mit Flicken übersät ist und die ganze Konzentration fordert.

Vor Obermaiselstein biegen wir nach Tiefenbach ab, um den kleinen Ort Oberstdorf zu erreichen. Das Dorf ist mit seinen 12000 Einwohnern eigentlich schon eine Kleinstadt und liegt zwischen den Gipfeln von Fellhorn, Nebelhorn und Söllereck mitten in einem phantastischen Alpenpanorama.

Wer Lust auf einen Abstecher hat dem sei das Kleinwalsertal empfohlen. Seit 1891 ist diese 16 Kilometer lange Sackgasse so genanntes Zollanschlussgebiet.

Die Räder rollen nun auf der breiten B 19 nach Sonthofen. Dort rechts ab Richtung Hindelang. Immer noch gemächlich geradeaus. Doch das ändert sich schnell. Denn eine etwa 5 Kilometer lange Achterbahn bringt uns von Hindelang hinauf ins 1136 m hoch gelegene Oberjoch. Eine feine Sache. Das Motorrad steht nur noch sehr selten in der Senkrechten. Nur schade das für die ganze Strecke Überholverbot herrscht.

Ein Schild mit der Aufschrift "Grüß Gott in Tannheimer Tal" begrüßt uns. Dieses Hochtal ist nämlich ein echtes Highlight. Seine Hänge sind fast bis hinauf zu den Felsspitzen mit Almwiesen bewachsen und verwandeln das Tal in einen grünen Schlauch. Die letzten Serpentinen dieser Tour finden wir schließlich auf der Abfahrt vom Gaichtpass nach Weißenbach. Toller Belag, schöne Aussicht....

  • Länge: ca. 250 Km
  • Charakter: Wegen ihres Hochalpinen Charakter verlangt diese Tour Gebirgserfahrung. Vor allem die Riedberg- und Oberjochstraße setzen ein sicheres Beherrschen des Motorrades voraus. Spitzkehren sollten gemeistert werden können.
  • Dauer: Tagestour.
  • Top-Ausblick: Auf der Bergstraße nach Oberjoch.
  • Pausen-Tipp: Restaurant Walther Hof in Warth.

Quelle: rukka