Nur fliegen ist schöner: Motorradfahren in der Südrhön

Die Rhön ist das Mekka der Segelflieger. Auf der 950 Meter hohen Wasserkuppe existiert seit 1922 die älteste Segelflugschule der Welt. Klar, dass man bei dem Wort Rhön sofort ans Fliegen denkt. Dabei sollte man - zumindest als Biker - eigentlich zuerst ans Motorradfahren denken. Denn die Rhön gehört zu den besten Motorradregionen Deutschlands. Große Höhenunterschiede, damit verbunden viele kurvenreiche Straßen, geringe Verkehrsdichte - hier hat man auf dem Bike eine Menge Spaß. Zum Beispiel bei einer Runde durch die Schwarzen Berge im Süden der Rhön.

Sie erreichen Höhen von bis zu 800 Metern und ga- rantieren sorglosen Genuss im Motorradsattel. Startort Bad Brückenau. Das von den Fuldaer Bischöfen gegründete Heildbad verfügt über herrliche klassizistische Gebäude und lädt zum Frühstück oder Kaffee ein, bevor wir zu unserer 140 Kilometer langen Tour starten.

Wer Zeit und Lust hat, kann noch den Großen Kursaal anschauen, der 1827 gebaut wurde und optisch an antike griechische Tempelbauten angelehnt ist. Die B 27 bringt uns aus Bad Brückenau hinaus, dann biegen wir rechts auf einem dieser typischen Rhönsträßchen Richtung Modlos, Detter und Wartmannsroth ab. Viele Kurven, knackige Schräglage, kaum Verkehr. Mehrere Schwünge später laufen wir in Hammelburg ein. Die älteste Weinstadt Frankens gibt es schon seit dem Jahr 777. Hier soll die Spätse erfunden worden sein. Hoch über Hammelburg thront malerisch Burg Saaleck. Bekannt ist Hammelburg vor allem als Garnisonsstadt. Die Bundeswehr, größter Arbeitgeber der Stadt, unterhält hier ihre Infanterieschule.

Die B 27 in Richtung Norden bringt nun etwas Entspannung in Federelemente, Kupplung und Getriebe. Sanfte Bögen, guter Asphalt, schöne flotte Schräglagen. Und immer noch zackige Höhenunterschiede. In Unterleichtersbach Blinker rechts und über Schondra hinüber zur B 286 Die beschäftigt uns nur ein kurzes Stück bis Platz, danach fädeln wir uns wieder in das Kurvengeschlängel der Rhön ein. Über Oehrberg, Poppenroth, Oberthulba und Aura schwingen wir auf schmalem Asphalt nach Bad Kissingen. Das gilt als mondänstes der vier fränkischen Kurbäder. Ein Muss ist ein Bummel zu Fuß durch den wunderschönen Kurpark. Aber auch der Marktplatz mit dem alten Rathaus und den ihn umgebenden reich verzierten Patrizierhäusern ist einen Besuch wert. Dort saßen schon gekrönte Häupter wie Kaiserin Sissi von Österreich , Zar Alexander von Russland und König Ludwig 11. von Bayern bei Kaffee und Kuchen.

Auf der B 286 mit ihrer ruhigen, entspannten Streckenführung geht es aus Bad Kissingen hinaus. Auf der Höhe von Waldfenster verlassen wir den bundeseigenen Asphalt und fahren rechts hinüber nach Burkardroth. Die Schwarzen Berge halten ihr Versprechen und servieren uns auf den folgenden Kilometern Motorradspaß vom Feinsten. Die Verkehrsdichte geht gegen Null, die der Kurven ins Unendliche. Erst in Wildflecken, das eine ähnlich lange militärische Tradition hat wie Hammelburg, ist die wilde Jagd zu Ende. Relativ ruhig geht es dann zurück zum Ausgangspunkt der Tour, Bad Brückenau.